Warum sollte Esport Sport sein?

Die Frage, ob Esport Sport ist, treibt die Gaming und Esport-Szene um. Auch wenn die Frage heutzutage, vor allem in der Szene aber auch über die Szene hinaus, allgegenwärtig ist, gab es bereits im Jahre 2010 intensive Diskussionen darüber.

Die immer wiederkehrende Diskussion lässt sich mit der stetigen Professionalisierung des Esport begründen, weswegen die Fragestellung immer häufiger in wissenschaftlichen Studien auftritt. Des Weiteren gibt es auch kritische Stimmen, die gegen eine Sport-Anerkennung argumentieren, wie beispielsweise damals aus einem Report von SuperData im Jahr 2015 hervorging: “Zu denken, dass ein neues Phänomen wie eSports in Begriffen des alten beschrieben werden kann, ist ein völliges Missverständnis” (Übersetzt aus dem Englischen). Nichtsdestotrotz ist Esport bereits in diversen asiatischen Ländern (wie China und Korea), aber auch Schweden, als offizielle Sportart anerkannt. Insgesamt hatten schon 2017, weltweit, 29 Länder Esport als Sport anerkannt.

In diesem Beitrag soll es jedoch nicht um die Fragestellung gehen, ob Esport Sport ist oder nicht. Im Gegenteil, zur Bildung und Stärkung einer Meinung zu dem Thema ist es wichtig das Grundwerk, die Implikationen und Vorteile sowie Nachteile, einer offiziellen Anerkennung richtig zu verstehen. 

Hintergrund – Wer entscheidet? 

Es gibt in Deutschland keine Organisation, welche eine verbindliche Definitionskompetenz des Sportbegriffes inne hat. In der Tat beschreibt Schnabel und Thieß schon in 1993, dass keine allgemeingültige Sport Bezeichnung existiert. Nichtsdestotrotz gibt es eine Organisation, welche den Sport und die Struktur des Sportes nachhaltig prägt: Der Deutsche Olympische Sportbund e.V. (DOSB), welcher 2006 aus einer Verschmelzung des Deutschen Sportbundes (DSB) mit dem Nationalen Olympischen Komitee für Deutschland, hervorging. Der DOSB, als leitende Organisation in einem hierarchischen Aufbau, regelt den Spitzen- und Breitensport. Unter dem DOSB, folgen Verbände der einzelnen Sportarten, wovon es jeweils nur einen einzigen Dachverband pro Sportart geben darf –  das sogenannte Ein-Platz Prinzip. Den Dachverbänden gehören dann wiederum viele verschiedene Regionale Fachverbände an, darunter wieder die Vereine und natürlich die Spieler per se. 

Was sind die Vorteile einer Anerkennung? 

Aus rechtlicher Perspektive ergibt sich aus deutscher Sicht kein Vorteil der Anerkennung von Esport, die Auswirkungen auf das Anti-Doping Gesetz (AntiDopG) oder der Strafbarkeit von Wettbetrug im Sport. Jedoch sind weisende Konsequenzen aus den allgemein anwendbaren Bestimmungen der deutschen und europäischen Rechtsordnung ableitbar. 

1. Sportförderung durch unmittelbare und mittelbare finanzielle Leistungen

Aufgrund fehlender, ausdrücklicher Kompetenzgebung an den Bund, ist Sport Ländersache. Sport fällt in diverse elementare politische Teilgebiete, wie beispielsweise auswärtige Beziehung, Bildung und Forschung(sförderung) sowie die gesamtstaatliche Repräsentation (mit beispielsweise dem Spitzensport, die Olympischen Spiele oder Europa- oder Weltmeisterschaften) sowie gezielt bei der Inklusion von Behinderten oder im Bau von Sportstätten. Das es sich hier nicht um “Belanglichkeiten” handelt, wird schnell klar: Im Jahr wurden über 225 Millionen Euro für den Sport ausgeschüttet und die Ausgaben sind stark steigend.

Diese Förderungen können unmittelbare oder mittelbare finanzielle Leistungen sein und werden auf der Ebene der Kommunen, der Länder und des Bundes eingesetzt. Des Weiteren lässt sich erkennen, dass der überwiegende Anteil an den Verbandssport geht – bezogen auf den Esport könnte allen Vereine, welche eigene Esport-Aktivitäten anbieten, durch eine direkte Unterstützung durch staatliche Mittel aber auch durch die indirekten Steuererleichterungen, stark geholfen werden. Außerdem könnten sich dann Esport-Profis auf finanzielle Hilfen des Staates bewerben, zur Förderung des Spitzensportes.

Hinzuzufügen sind weiterhin starke Steuervorteile, die Verbänden und Vereinen durch die Anerkennung zu Gute kommen. Diese Steuervorteile sind jedoch abhängig von der Einstufung des Dach-Verbandes als gemeinnützige Institution, da gesetzlich der Zweck eines Vereins, nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet sein darf. Mit dem Nebenzweckprivileg ist dies etwas freier interpretierbar, jedoch muss der Hauptzweck nicht-wirtschaftlich sein.

2. Steigerung der gesellschaftlichen Akzeptanz

Esports hat ein Image- und Aufklärungs-Problem. Zu oft wird Esport als Randphänomen oder Nischen-Sportart angesehen, Gamer-Klischees halten sich hartnäckig, vor allem in der älteren Bevölkerungsgruppe. 

Durch eine Aufnahme in den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und die damit verbundene Anerkennung, verschmilzt unweigerlich das positiv wahrgenommene Außenbild des Sportbundes mit dem Esport und führt absehbarer weise zu stärkerer gesellschaftlicher Akzeptanz. Des Weiteren, professionalisiert sich der Esport zwar stetig, zum jetzigen Stand jedoch ohne äußerlichen Druck. Durch die Aufnahme entsteht die Notwendigkeit den Esport zu definieren sowie die Verbandsstruktur effizient und offiziell aufzustellen.

Letztlich vergrößert eine Anerkennung die öffentliche Wahrnehmung, quantitativ (mehr Zuschauer) aber auch qualitativ (besseren Eindruck). Beide Faktoren können immens helfen, größere und weitere Sponsoren in Esport-Strukturen aufzunehmen und so die Branche zu vergrößern. 

3. Weiteres

Aus juristischer Sicht kann die Esport-Landschaft für Vereine, aber auch Spieler, ein Minenfeld sein. Aufgrund der Fragmentierung existiert kaum Rechtssicherheit, was jedoch von aufstrebenden Esport-Juristen langsam aufgearbeitet wird. Eine Anerkennung des Esport als Sport sowie durch die Aufsetzung einer effektiven Verbandsstruktur kann und wird Rechtssicherheit schaffen. Richtig aufgesetzt, kann dies auch das schnelle Wachstum der Branche bündeln und stärken. 

Nachteile

Potentielle Nachteile im Sinne weiterer Regularien, beziehen sich hauptsächlich auf den Straftatbestand des Sport-Doping sowie den des Sportwett Betrugs. Auch stärkere Bestimmungen durch das Jugendschutzrecht sind möglich. Diese Nachteile werden jedoch in einem weiteren Beitrag aufgeschlüsselt.

Fazit

Esport steckt trotz des Alters noch in manchen Bereichen in den Kinderschuhen – die stetige Professionalisierung und das schnelle Wachstum der Branche, sowie äußere Faktoren ändern dies jedoch schnell. Eine Anerkennung als Sport durch einen Beitritt in den DOSB und die Schaffung eines übergreifenden Dach-Verbands kann dies weiterhin verbesseren. Vor allem durch finanzielle Unterstützungen kann die Esport-Landschaft enorm profitieren. Auch durch die wahrscheinlichen Folgen einer verstärkten Akzeptanz und Reputation der Branche, kann größere Reichweite erlangt werden und die Professionalisierung der Branche nachhaltig beschleunigt und verbessert werden. 

Außer Acht gelassen werden, dürfen die Nachteile jedoch nicht: Mit einer Anerkennung tritt stärkere Regulatorik ein, mit der die Branche umgehen muss und Strategien zur Einhaltung dieser entwickeln muss. Jedoch sind Anti-Doping Maßnahmen sowie Maßnahmen gegen den Sportwettenbetrug sowie eine Förderung des Jugendschutzes zwar Nachteile im Sinne der verschärften Regulatorik – diese Regularien werden jedoch den Esport dabei unterstützen, mit anderen Sportarten gleichzuziehen und die Spielenden auf gesundheitlicher Ebene zu schützen und für einen fairen Wettbewerb zu sorgen. 

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Marcel Schadt

Esport Professional